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Kinderfest 2008 Geschichte Bilder aus alten Zeiten
 

Stickereien, Kanonen, Bratwürste

 

1824 - neuartiges Jugendfest
1914 - Krieg und Entbehrungen
1927 - Reform-Jugendfest
1947 - Muffige Tradition
1963 - Mentalitätswandel

  Die reich bebilderte Broschüre "Das St. Galler Kinderfest" (Separatum aus Josef Weiss: Schulstadt St. Gallen) wird in den Vorverkaufsstellen und am Kinderfesttag auf dem Festplatz verkauft. Schriftenreihe der Stadt St.Gallen, Verkaufspreis: CHF 5

1824 - neuartiges Jugendfest

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Im Gefolge der Schulreformen der zwanziger Jahre des vorletzten Jahrhunderts wurde ein neuartiges Jugendfest geschaffen, das am 28. September 1824 erstmals stattfand und die Tradition des heutigen Kinderfestes begründete.

Das erste St.Galler Kinderfest entwickelte sich aus verschiedenen Wurzeln. Als Ursprünge werden mehrere Schulfeste genannt: jenes der mittelalterlichen Klosterschule, das Gregorius- und das Rutenfest der städtischen Schuljugend sowie die "Eggen". Bei diesen Eggen verbanden sich eine Art Schlussfeier nach der Schulprüfung mit Musterung und Waffenübungen der Knaben.

Diese Wurzeln führten zur heute unverständlichen Vermischung von Kinderfest und jugendlicher Militärparade. Bis 1946, solange nationales Hochgefühl und Militärbegeisterung im Schwange waren, bleiben Waffen und Kadettenwesen ein fester Festbestandteil.


1914 - Krieg und Entbehrungen
zurück Als im Kinderfestjahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, ahnte niemand, dass sich das wirtschaftliche und soziale Gefüge der Stadt St.Gallen tiefgreifend und nachhaltig verändern würde. Der Krieg stürzte die prosperierende Stickerei-Industrie in eine tiefe Krise. Zunächst legte es die Anspannung der Krisenjahre, nach 1918 die prekäre Finanzlage und die gedrückte Stimmung nahe, auf die Durchführung von Jugendfesten zu verzichten.

1927 - Reform-Jugendfest
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Dank einer öffentlichen Sammlung, die einen guten Teil der nötigen Gelder bereit stellte, konnten sich die Behörden entschliessen, die alte Tradition wieder aufzunehmen. Allerdings hatten sich 1918 die Gemeinden Tablat und Straubenzell mit St.Gallen zur neuen Gemeinde "Gross-St.Gallen" vereinigt und Skeptiker fragten sich, ob eine Durchführung des Festes mit 8000 Kindern überhaupt möglich sei.

Das Kinderfest 1927 erwies sich als wandlungsfähig. Auch wenn es endgültig zu einem Grossanlass geworden war, gelang es offenbar vortrefflich. "Der neuen Zeit entsprechend, war der Schmuck des Zuges umgestaltet worden, jugendtümlich sollte er bis in die Einzelheiten sein" schrieb Ernst Hausknecht in seiner Schilderung für die "St.Galler Schreibmappe" von 1928. Zu den Neuerungen gehörte auch die Einführung der Schulfahnen, die die meisten der heutigen Zuschauerinnen und Zuschauer wohl als uralt und seit jeher mitgeführte Requisiten betrachten.

Dass die Mädchen Stickereikleider trugen, mutete schon 1927 anachronistisch an. Die aktive, sportliche Frau, die in den zwanziger Jahren zum Leitbild wurde, trug keine Jugenstilrobe mit Stickereiapplikationen sondern ein bequemes Charlestonkleid, das Bewegungsfreiheit liess. Trotzdem blieben die Produkte der einstigen St.Galler Hauptindustrie lange Zeit ein so unverzichtbares Element des Kinderfestes wie die Bratwurst.


1947 - muffige Tradition
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Während dem Zweiten Weltkrieg 1938 wurde erneut auf die Durchführung des St.Galler Kinderfestes verzichtet.

Bei der Wiederaufnahme 1947 stand es ausser Frage, Stickereikostüme zu tragen. Die Berichte vermerken dazu, dass die aus den Schränken hervorgeholten Kleider nach Jahren der Textilknappheit allerdings etwas ältlich und muffig gewirkt hätten.


1963 - Mentalitätswandel
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Mit dem Mentalitätswandel der späten sechziger und siebziger Jahre wurden die Stickereien allmählich (wenn auch nicht vollständig) aus dem mittlerweile lockeren Erscheinungsbild des Kinderfestes verdrängt.

Bratwurst und Böllerschüsse sind bis heute geblieben - und auch die rot-weissen Dächer der Verpflegungsstände für die Schulklassen haben schon immer so ausgesehen.

 

Auszüge aus "Stickereien, Kanonen, Bratwürste", Marcel Mayer, St.Galler Tagblatt 1999


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